Agenten-Thriller in Tokio von Bente Amlandt

Watanabe - im Netz der Schatten

Tokio-Roman 

Futuristischer Agententhriller von Bente Amlandt 

Der geniale Erfinder Watanabe taucht in eine Welt voller Geheimnisse, Gefahren und unerwarteter Gefühle ein. Er reist von Paris in seine Heimatstadt Tokio. Dort soll er als Agent für die mysteriöse "Agency" arbeiten. In einem düsteren Bezirk Tokios macht er Bekanntschaft mit Menschen, Künstlicher Intelligenz und seinen eigenen Gefühlen. Nervenkitzel mit Seele und einer Prise Humor.

Paperback / KDP - Amazon
ISBN: 9798879820492 
340 Seiten - 15 € 
 

Hardcover bei tredition 25 €

ISBN 978-3-384-15508-5  

Leseprobe

1. Die Entscheidung 

Paris, 2123 

 

Takumi Goro Watanabe nannte sich nur »T. G. Watanabe«. Das fand er praktischer. Wenn er mit sich allein war und das war er neunzig Prozent des Tages, dann nannte er sich »Watanabe«.  Er sprach auch mit sich und sagte: »Watanabe isst Frühstück« oder »Watanabe kocht sich einen schönen Jasmintee«. Es war, als würde das bloße Aussprechen der Tätigkeiten diesen mehr Wert verleihen und Watanabe mehr am Leben sein. Aber manchmal fielen die Worte ungehört zu Boden und nicht einmal er nahm Notiz von ihnen. 

Es war im Jahre 2123, als Watanabe sagte 

»Watanabe sieht keine Nachrichten mehr.« Denn er hatte genug davon. Er schaffte sogar den riesigen Fernseher ab, der eine halbe Wand einnahm und ihn ein Vermögen gekostet hatte. Er schenkte ihn der Nachbarin, die sich gar nicht mehr einbekommen konnte vor lauter Freude. Es war keine leichte Aufgabe, das Gerät aus seinem Loft in ihr Appartement ein Stockwerk tiefer zu schleppen, doch Watanabe kannte die richtigen Leute dafür. 

Nachdem sie gegangen waren, stand seine Nachbarin vor ihm im Flur. Wie er es befürchtet hatte, schenkte sie ihm ihren von ihr selbst gelobten, von ihm verabscheuten Rosinenkuchen, den er kurz darauf an die Katze der anderen Nachbarin verfütterte und den diese wiederum auf dem Balkon des Monsieur Principal ein Stockwerk tiefer erbrach. So machten das Katzen in Paris. Und so musste man es machen mit dem Rosinenkuchen von Madame de la Gorge. 

Die Rosinen darin waren so dick und hart, dass T. G. Watanabe stets befürchtete, Madame de la Gorge würde die Kakerlaken im Keller von den Wänden pulen, sie zerhacken und trocknen, um sie dann mit einem gekonnten Löffelschwung unter den Teig zu heben. Oder der Kuchen stammte noch aus der Zeit, als ihr Mann noch gelebt hatte. Watanabe wusste es nicht und er wollte es auch gar nicht in Erfahrung bringen. 

Er nannte sie »Madame de la Gorge«, weil er ihren echten Namen vergessen hatte. Wenn sie mal wieder vor ihm stand mit Kuchen oder Fragen, dann lächelte er nur, tat wie ein Japaner, der gerade erst vor dem Krieg geflohen war, und verbeugte sich vor ihr, obwohl er das eigentlich schon seit Jahren nicht mehr machte. Watanabe sah auf die Kathedrale hinaus und seufzte. Dann verließ er Notre-Dame und seine Küche. Er betrat sein hohes, ungemütliches Wohnzimmer aus Beton und Glas, das sich in nichts von einem sterilen Büro oder einer Hotellobby unterschied. Es gab zwei schwarze Ledersofas, einen großen Schreibtisch vor dem bodentiefen Fenster und rechts eine kleine, voll ausgestattete Bar mit zwei knallroten Barhockern davor. Watanabes Schreibtisch war hochmodern und mit noch moderneren technischen Errungenschaften ausgestattet, die auf Befehl ausfahren konnten wie die Gliedmaße eines reptilienartigen Außerirdischen. 

Kurzum: Watanabes Wohnzimmer wäre ein perfekter Arbeitsraum für einen Börsenmakler gewesen oder er hätte als Kulisse für einen Krimi dienen können, in dem der reiche Geschäftsmann gleich zu Beginn ermordet wurde. Watanabe setzte sich auf sein schwarzes Ledersofa und wartete auf den Mörder. 
 

ISBN: 9798879820492 
340 Seiten, 15 €